Ich hätte es fast nicht mehr für möglich gehalten, aber die Linke wagt den Systemwechsel.Grundlage ihrer Besinnung ist der EU-Vertrag von Lissabon, den Vertrag also, der das Miteinander in der EU-Zone friedlich zementieren soll, und für dessen Ablehnung die Irländer in der Hölle schmoren, mindestens so lange bis sie ihn ratifiziert haben. Und was sie wohl angesichts der derzeitigen desaströsen Lage lieber heute als morgen täten.
"Der Kapitalismus muss überwunden werden", sagt die Linke. Nun, angesichts der anrollenden Verstaatlichungswelle, die sich durch die Medienlandschaft schiebt, ist das keine besondere Bemerkung, denn den Kapitalismus gibt es gar nicht. Er ist wohl irgendwo im Laufe der Wirtschaftskrise abhanden gekommen, und einer „irgendwie müssen wir uns da durchwurschteln“-Ökonomie gewichen, die sich fürderhin wohl irgendwo künftig zwischen Sklavenhaltergesellschaft und Feudalismus ansiedeln dürfte.
Die Tatsache, dass unser System dabei noch funktioniert, und dazu angesichts des massiven Rollbacks dazu noch beachtlich normal, löst bei mir eher Unbehagen aus, denn mir scheint, dass wir noch einiges von der bitteren Medizin der Realität schlucken müssen und die Schulmedizin wirkt leider nicht.
Gehen wir mal im Geiste ein paar Jahre zurück, zu der Zeit nach der letzten geplatzten Blase, die einige Menschen um ihre Altersvorsorge gebrachten haben. Um das Jahr 2003 herum standen wir, so ist meine Ansicht bereits einmal on the Edge of Abyss, dass heißt, wir durften mal am Abgrund schnuppern, in den Japan nun im Jahre 2009 mit wehenden Fahnen hineingeflogen ist.
Was ist also so bemerkenswert neues zwischen 2003 und 2007 passiert, dass wir einen Boom erlebt haben, der seinesgleichen sucht. Weder das Rad wurde neu erfunden, noch sonstige denkwürdige Entwicklungen fanden statt, mit Ausnahme des Umstandes, dass die USA ein paar Kriege vom Zaun brachen und man sich in der Weltgemeinschaft auch sonst ein wenig beim Schuldenmachen die Augen zudrückte. Man rechnete sich alles schön.
Das ist jetzt vorbei und eine Krise jagt die nächste und die wahre Katastrophe steht noch vor der Tür und macht sich bereit dazu, anzuklopfen. Das weiß ziemlich jeder, der ein wenig Verständnis von Ökonomie hat und dazu reicht eigentlich schon aus dem Fenster zu schauen.

Ich freunde mich mit der Frage an, ob unsere Gesellschaft auch im wirtschaftlichen Chaos bestehen kann. Ob das Chaos nicht wieder ein wenig von dem Solidargedanken zurückbringt, der einer Mangelgesellschaft innewohnt.
Dazu finde ich die Spassradikalität der Linken gerade passend, weil sie sich im Moment die Frage stellen lassen müssen ob ihr Programm von heute nicht Konsens von morgen werden könnte in einer Zeit der bürgerlichen Unordnung, kurz Schnee von gestern ist.
Es gibt übrigens Leute, die sind der Ansicht, dass der böse Spuk bald vorbei ist und alles wieder seinen gewohnten Gang geht.
Hübscher Gedanke. Dann wird sich die Linke wohl auch wieder auf die hintersten Reihen verkrümeln und Angela Merkel wird ihr 99,9 % Wahlergebnis einfahren, was sie wohl an ihre Jugend erinnern wird.
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